Der Schlaf
Nikolaus Lenau
Aufnahme 2026
Ein Greis trat lächelnd mir entgegen,
Bot mir die Hand gedankenvoll
Und hob sie dann empor zum Segen,
Der sanft vom Himmel niederquoll;
Und ich empfand es tief im Herzen,
Daß Zorn der Donner Gottes nicht;
Daß aus der Weste leichten Scherzen
Wie aus Gewittern Liebe spricht.
Und einen Labebecher trank ich
Und schlich, wohin die Ruh mich rief,
Hinaus zur Scheune; müde sank ich
Hier in des Heues Duft -- und schlief.
Was mich erfreut auf meinen Wegen,
Das träumt ich nun im Schlafe nach;
Und träumend hört ich, wie der Regen
Sanft niederträufelt' auf das Dach.
Süß träumt es sich in einer Scheune,
Wenn drauf der Regen leise klopft;
So mag sichs ruhn im Totenschreine,
Auf den die Freundeszähre tropft.