Nacht

Christian Morgenstern

Aufnahme 2026

Der Holzwurm tickt, der Vorhang rauscht,
vom Nachtwind rund emporgebauscht,
die Lampe kocht und siedet . . .
Beglückter Sinn, den solche Nacht
mit solchem Spiel noch gruseln macht,
mit solchem Spuk befriedet!

Der Holzwurm tickt . . . Er ticke nur.
er ist nicht mehr die Sorgenuhr
unsrer Vergänglichkeiten.
Der Vorhang rauscht, emporgebläht . . .
Was scherzt er mit der Majestät
gestirnter Weltallsweiten?

Die Lampe summt, die Lampe kocht . . .
Doch ach, was will ihr trüber Docht
der innern Flamme künden,
der jeder Ort, dahin sie irrt,
zum Anfang neuen Wanderns wird,
bis zu den tiefsten Gründen.

Selbst du, o Nachtwind, wehst nicht mehr
so aller süssen Schauer schwer,
wie einst dem Jüngling deuchte.
Gedenke, raunst du, an dein Los!
Ach Sturm, das war zu klein, zu gross,
als dass es deiner Seufzer bräuchte.