Hilde Domin

Hilde Domin

Hilde Domin wurde als Kind großbürgerlicher jüdischer Eltern am 27.7.1909 in Köln als Hilde Löwenstein geboren. Sie studierte zunächst Jura, später Philosophie und politische Wissenschaften in Heidelberg, Köln und Berlin. Beim zweiten Wechsel nach Heidelberg lernte sie im April 1931 den jüdischen Kaufmannssohn und Archäologiestudenten Erwin Walter Palm kennen, dem sie im Oktober 1932 nach Italien folgte. Was als Auslandsstudium begann, wurde mit Hitlers Machtergreifung zum Exil. Hilde Löwenstein schrieb sich an den Universitäten in Rom und Florenz ein und schloss dort am 6.11. 1935 ihr Studium ab. 1936 heiratete sie in Rom ihren Studienfreund. Das Paar lebte »wortwörtlich von der Sprache«: Hilde Palm gab Sprachunterricht und übersetzte die wissenschaftlichen Arbeiten ihres Mannes.

Im Frühjahr 1939 flohen die Palms über Paris nach Großbritannien, im Sommer 1940 über Kanada nach Santo Domingo. Hilde Palm übersetzte und gab Sprachunterricht, ihr Mann erhielt eine außerplanmäßige Professur für „besondere Aufgaben“ und mit der Position des Kurators der Kolonialkunst etablierte er sich als Spezialist für ibero-amerikanische Kunst- und Kulturgeschichte.

1942 starb Hilde Palms Vater im amerikanischen Exil, 1951 die Mutter in Deutschland. Unter dem Eindruck einer ernsten Ehekrise hatte Hilde Palm schon ab 1949 begonnen, eine eigene künstlerische Existenz aufzubauen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland lenkte sie den Blick auf den Tod der Mutter. Hilde Palm begann auf Deutsch zu schreiben, und das war ihre Rettung, die »Alternative zum Selbstmord«. Ein Rückkehrstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ebnete dem Paar im Februar 1953 den Weg zurück nach Deutschland. Sieben Jahre pendelten sie zwischen München, Frankfurt und Madrid.

Nach dem Ort, an dem sie zur Dichterin wurde, nannte sich Hilde Palm ab 1954 Hilde Domin. Sie veröffentlichte mehrere Gedichtbände, autobiographische Texte, einen Roman, poetologische, soziologische und literaturtheoretische Essays, führte eine »fast schwesterliche Korrespondenz« mit der im schwedischen Exil lebenden Nelly Sachs. Hilde Domin verfolgte das Konzept einer politisch engagierten, einer dialogischen Dichtung, deren Magie in ihrer Einfachheit steckt. Bei Lesungen trug sie jedes ihrer Gedichte zwei Mal vor. Ihre Gedichte wurden in mehr als 26 Sprachen übersetzt, sie selbst mit vielen Preisen geehrt, 2005 mit dem höchsten Orden der Dominikanischen Republik ausgezeichnet. Ihr Leben beschrieb sie später als »Sprachodyssee«, als Wandern von einer Sprache in die andere. Ihre Muttersprache Deutsch aber blieb durch die Jahre des Exils hindurch ihr unverlierbares Zuhause. Sie starb am 22.2.2006 in Heidelberg.

Werke u.a.:

1955 : Herbstzeitlosen. Gedicht
1955 : Ziehende Landschaft. Gedicht,
1957 : Wo steht unser Mandelbaum. Gedicht
1959 : Nur eine Rose als Stütze. Gedichte
1962 : Rückkehr der Schiffe. Gedichte
1963 : Linguistik. Gedichte
1964 : Hier. Gedichte
1964 : Tokaidoexpress. Gedicht
1964 : Höhlenbilder. Gedichte
1968 : Das zweite Paradies. Roman in Segmenten.
1968 : Wozu Lyrik heute. Dichtung und Leser in der gesteuerten Gesellschaft
1970 : Ich will dich. Gedichte
1970 : Von der Natur nicht vorgesehen. Autobiographisches.
1982 : Aber die Hoffnung. Autobiographisches aus und über Deutschland.
1987 : Gesammelte Gedichte. S. Fischer,, 6. Auflage 1997
1988 : Das Gedicht als Augenblick von Freiheit.
1993 : Gesammelte Essays. Heimat in der Sprache
1999 : Der Baum blüht trotzdem. Gedichte
2005: Gesammelte autobiographische Schriften. Fast ein Lebenslauf.
2009: Sämtliche Gedichte.