Frühe Moderne 1890 - 1925

Expressionismus
Mit Expressionismus bezeichnet man eine gesamteuropäische Kunstbewegung zwischen 1910 und 1924. Der Anstoß ging von den Malern aus; der Name Expressionismus war zuerst der Titel einer Kunstausstellung in Paris (1901 von J. A. Herve geprägt). Alle Künste wurden von dem neuen Ausdruckswillen erfasst; die Maler der »Brücke« und des »Blauen Reiter«, aber auch der Komponist A. Schönberg, der eine neue Harmonielehre veröffentlichte. Die künstlerische Avantgarde träumte von einer Symbiose aller Künste: Maler und Bildhauer illustrierten Sprachkunstwerke oder dichteten selbst (Kokoschka, Kandinsky, Barlach). Auf der Bühne sollte ein »Gesamtkunstwerk« aufgeführt werden, an dem Bild, Wort, Musik, Tanz beteiligt waren.
Die bevorzugten Gattungen des Expressionismus sind die Lyrik und die Dramatik. In der Lyrik hat eine Zuwendung zur Sprache stattgefunden, die ebenfalls auf Nietzsche zurückgeht. Von den Malern, vor allem den Futuristen, übernimmt sie den Hang zur Abstraktion; er äußert sich in der Dichtung in einer Zerstörung der üblichen Grammatik. Der Satz soll befreit werden von allen logischen Zutaten (Konjunktionen, Adverbien, Interpunktion). Das Substantiv wird zur wichtigsten Wortart.

Impressionismus und Symbolismus
Seit dem Beginn des Naturalismus 1850 konnte sich dieser in Österreich nie richtig durchsetzen. Das ist auch die Erklärung für die zeitliche Überschneidung von Naturalismus (1850-1910) und den Gegenströmungen (1890 - 1925). Es wurde lange nach einem passenden Namen gesucht, der diese sich gegen die Realität sträubende Bewegung abdeckt. Es fanden sich viele Namen, doch keiner war für alle Ausprägungen treffend. Es tauchten Namen auf wie: Symbolismus, Impressionismus, "Wiener Moderne", "Das junge Wien", Dekadenzliteratur, u.v.a. auf.
Es findet eine Entfremdung und Isolation des Menschen aus der Gesellschaft statt. In seinem Krisenbewusstsein sehnt er sich nach einem neuen Lebensstil, nach neuen Gesellschaftsformen. Der Rationalismus wird verdrängt und die Emotionen treten in den Vordergrund. Während der Naturalismus eine materialistische Weltanschauung beinhaltet, versuchen die Gegenströmungen, sich von der Wirklichkeit zu distanzieren.

Wiener Moderne
Für die Wiener Moderne sind die Wiener Cafés ein ganz typischer Ort. Man nennt sie literarische Cafés, denn sie sind Treffpunkt für Autoren, Dichter, Künstler, Journalisten, Ärzte und andere Intellektuelle. Es handelt sich um gelegentliche Treffen, die keinesfalls wie in Deutschland zu Zirkeln ausarten. Es werden keine festen Regeln angenommen. Man kommt zusammen und diskutiert über die verschiedensten Themen wie Literatur, Kunst, Politik oder Wissenschaften. In solchen Runden findet ein großer Einfluss auf die einzelnen Dichter statt, auch wenn sie nur beiläufig einem Treffen beiwohnen. Die bedeutendsten Dichter dieser Ära sind Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler.

Symbolismus
Symbole werden zur Darstellung abstrakter Gefühle und Gedanken verwendet. Die Dichter und Autoren wollten die Fesseln der deutschen Sprache sprengen. Als ihnen die Worte zur Beschreibung von Sinnlichem ausgehen, greifen sie auf die Umschreibung mit Hilfe von Symbolen zurück. Der Symbolismus bringt dem Bewusstsein verborgene Geheimnisse zum Ausdruck. Die Geschichte bestätigt die Bedeutung der symbolischen Darstellung. In vielen Völkern und Kulturen lassen sich gemeinsame und immer wiederkehrende Symbole entdecken, z.B. haben sich die Bedeutungen von Sonne, Wasser oder Feuer nicht viel verändert. Rilke setzt sich in seiner Dichtung hauptsächlich mit der Schöpfung und dem Leben im Zusammenhang mit dem Tod auseinander. Der Tod ist der bittere Kern der süßen Frucht des Lebens. Der Sinn des Lebens ist der Tod. Eines kann ohne den anderen nicht sein.