Klabund

Alfred Georg Hermann „Fredi“ Henschke, genannt Klabund, wurde am 4.11.1890 in Crossen an der Oder als Sohn des Apothekers Alfred Henschke und dessen Frau Antonia geboren. Während einer Wanderung durchs Riesengebirge im Alter von 16 Jahren erkrankte er durch eine verschleppte Erkältung zunächst an einer Rippenfellentzündung und danach an Tuberkulose; die Ärzte diagnostizierten anfangs fälschlich eine Lungenentzündung. An der nie ausgeheilten Krankheit starb Klabund bereits im Alter von 38 Jahren.

Henschke wählte das Pseudonym Klabund nach ersten Veröffentlichungen im Jahr 1912. Der Name wird vom Autor unter anderem als Zusammensetzung aus den beiden Wörtern Klabautermann und Vagabund erklärt. Ab 1916 gab er dem Pseudonym eine weitere Bedeutung, nämlich „Wandlung“. Damit spielte er auf seinen Gesinnungswandel im Ersten Weltkrieg an. Nachdem er den Krieg anfänglich begrüßt hatte, wandelte sich seine Einstellung unter dem Einfluss seiner Lebensgefährtin (und späteren Ehefrau) Brunhilde Heberle zum entschiedenen Kriegsgegner.Klabund studierte Philosophie, Philologie und Theaterwissenschaft in München, Berlin und Lausanne. In München machte er die Bekanntschaft von Frank Wedekind. 1912 brach er das Studium ab. Ein erster Band mit Gedichten erschien 1913 in Berlin unter dem Titel „Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!“ Sein erster Roman trägt den Titel „Der Rubin. Roman eines jungen Mannes“. Auseinandersetzungen zwischen Autor und Verlag verhinderten das Erscheinen. Der Roman erschien posthum im Jahr 1929 in Wien.
1913 kam der Kontakt zu Alfred Kerrs Zeitschrift PAN zustande. Von 1914 an war er Mitarbeiter der Zeitschrift „Die Schaubühne“, später in „Die Weltbühne“ umbenannt. Den Ersten Weltkrieg begrüßte er anfangs wie nicht wenige andere Schriftsteller begeistert und verfasste eine Reihe patriotischer Soldatenlieder. Zum Militär wurde Klabund nicht eingezogen, da mittlerweile diagnostiziert worden war, dass beide Lungenflügel von Tuberkulose befallen waren. Die Jahre bis zu seinem Tod hielt er sich häufig in Schweizer Lungensanatorien auf. In dieser Zeit begann er damit, sich mit fernöstlicher Literatur zu beschäftigen, die er in der Folge häufig übersetzte und bearbeitete. So übertrug er Gedichte des persischen Dichters Hafis unter dem Titel „Der Feueranbeter“ in die deutsche Sprache. Bei einem seiner zahlreichen Kuraufenthalte in Davos machte Klabund die Feststellung „Man müsste einmal eine Literaturgeschichte der Schwindsüchtigen schreiben, diese konstitutionelle Krankheit hat die Eigenschaft, die von ihr Befallenen seelisch zu ändern. Sie tragen das Kainsmal der nach innen gewandten Leidenschaft.“
Unter dem Einfluss seiner zukünftigen Frau Brunhilde Heberle wandelte sich Klabund zum Kriegsgegner. Er nannte sie mit ihrem zweiten Vornamen Irene, dem griechischen Wort für Frieden. Im Tessin schloss er sich einem Kreis pazifistischer deutscher Emigranten an, die eng mit dem Monte Verità von Ascona verbunden waren. Zu diesem Kreis gehörten u.a. Ernst Bloch, Hermann Hesse, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler. 1917 veröffentlichte die Neue Zürcher Zeitung Klabunds offenen Brief an Wilhelm II. mit der Aufforderung zur Abdankung. Gegen Klabund wurde daraufhin ein Verfahren wegen Vaterlandsverrat und Majestätsbeleidigung eingeleitet. Dass Klabund trotz seiner pazifistischen Haltung weiter unbehelligt zwischen der Schweiz und Deutschland hin und her reisen konnte, erklärt sich durch einen 2007 bekannt gewordenen Umstand: Klabund war während der Jahre 1917/1918 als Informant des deutschen Militärnachrichtendienstes tätig.
1918 heiratete er seine Geliebte Brunhilde Heberle. Sie starb noch im selben Jahr nach einer Frühgeburt. Vier Monate danach starb auch das Kind. 1925 heiratete Klabund die Schauspielerin Carola Neher, mit der er eine turbulente Ehe führte (häufige Trennungen, Affären Nehers). Im selben Jahr wurde Klabunds Drama „Der Kreidekreis“ in Meißen uraufgeführt. Der Autor hatte sich hierbei an der chinesischen Dichtung orientiert, in deren Mittelpunkt der Richter Bao steht. Die Berliner Aufführung im selben Jahr machte das Stück zum großen Erfolg, so dass Adaptionen folgten: Alexander von Zemlinsky komponierte auf der Grundlage des Dramas die Oper „Der Kreidekreis“ (1933) und Bertolt Brecht verfasste das Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis“ (1948). In den folgenden Jahren schrieb Klabund regelmäßig für Kabaretts wie zum Beispiel „Schall und Rauch.“ Seine volkstümlichen, an den Bänkelsang angelehnten Gedichte und Lieder erreichten in diesen Jahren ihre größte Popularität.
Im Mai 1928 erkrankte er bei einem Italienaufenthalt an einer Lungenentzündung. Zur Behandlung wurde er nach Davos gebracht, wo er, seine Ehefrau Carola Neher an seiner Seite, am 14.8.1928 verstarb. Begraben wurde er in Crossen, heute Krosno Odrzańskie; die Grabrede hielt sein Freund Gottfried Benn.

Werke u.a.: