Mein Mai
Fritz Stavenhagen
Aufnahme 2013
Im wunderschönen Monat Mai
als alle Knospen sprangen
da kam auch ich auf diese Welt
mit Hoffen und viel Bangen
Der Krieg war aus, der Vater tot
das Vaterland in Scherben
Verzweiflung, Hunger, Schande, Not --
es gab nichts zu beerben
In meiner Mutter großem Schmerz
wär ich beinah versunken
denn Milch und Leid waren gemischt
ich hab sie ausgetrunken
Im Mai kam ich, im Mai ging sie
ein Kommen und ein Gehen
in dieses Wonnemonats Luft
verschiedne Düfte wehen
Die Völker jubelten im Mai
sie feiern ihn noch immer
es fiel das Joch der Tyrannei
es barst der Ketten Sklaverei
aus wieviel Kehlen scholl ein Schrei
der Freiheit Hoffnungsschimmer
Den Vater hatte nicht nur ich
den Mann auch sie verloren
so hat sie mich, den kleinen Fritz
als Fortsetzung erkoren
Ich war ihr Prinz, des Prinzgemahls
lebendiges Vermächtnis
es ist nicht leicht für kleine Jungs
zu leben als Gedächtnis
Sie feierte den kleinen Sohn
als Unterpfand der Liebe
und liebte mich und ihn zugleich
so dass er bei ihr bliebe
So trug ich mannhaft schon als Kind
die zuerkannte Würde
und war ihr Hausväterchen gar
es war auch eine Bürde
Das Mannsein war zwar früh erprobt
doch nur als kleiner Junge
ein Stück der Kindheit ging entzwei
doch flink wurde die Zunge
So bin ich oft mit Leichtigkeit
des Schmerzes Herr geworden
so ist manch Süßes bitter mir
und Bittres süß geworden
In Memoriam:
für meine Mutter
für meinen Vater
Bad Bodendorf 12.05.2013