In meiner Heimat

Alfred Kerr

In meiner Heimat braut die braune Macht
geschlagene, edle Schatten seh ich gleiten
Was haben Diebe aus dem Land gemacht
Das Land der unbegrenzten Schäbigkeiten

In meiner Heimat lag ein Jugendland
ich schritt auf tausend tiefvertrauten Pfaden
In meiner Heimat ging ich Hand in Hand
Mit blonden, deutschen, guten Kameraden

In meiner Heimat hob sich die Gestalt
Der Schlesier Koppe wo die Nebel wehn
In meiner Heimat wuchs ein Grunewald
mit schwarzen Kiefern hart an dunklen Seen.

In meiner Heimat stieg die steile Pracht
des Wendelsteins im hellen Sommerkleide
und meine Seele fliegt in mancher Nacht
zu Schleswig-Holsteins violetter Heide I

In meiner Heimat lag ein Preußenland
Ein Grenzgeheg wo Ost und West sich schieden
Dort saß ein sicherer Immanuel Kant
Er schrieb von Menschenpflicht und ewigem Frieden

In meiner Heimat trug ich einen Strauß
um ihn im heiligen Ort in Bonn zu weihn
Beethoven kam zur Welt in jenem Haus
Er sang, dass alle Menschen Brüder seien

In meiner Heimat braut die braune Nacht
Geschlagene Menschen siehst du grabwärts gleiten
Was haben Diebe aus dem Land gemacht
Das Land der unbegrenzten Schäbigkeiten