Gertrud von Le Fort

lefort

Gertrud von le Fort, geboren in Minden (Westfalen) am 11.10.1876,  stammte aus dem hugenottischen Adelsgeschlecht Le Fort. Sie verbrachte ihre Kindheit auf dem Familiengut Boeck, am Müritzsee in Mecklenburg sowie in verschiedenen Garnisonsstädten, in denen ihr Vater, ein preußischer Offizier, tätig war. Bis zum 14. Lebensjahr wurde sie im Elternhaus privat unterrichtet, zum Teil durch den Vater anhand des Familienarchivs. Erst anschließend besuchte sie eine öffentliche Schule. Nach dem Tod des Vaters (1902) unternahm Gertrud von le Fort einige Reisen. Entscheidende Bedeutung für ihr weiteres Leben und Werk hatte ein Aufenthalt in Rom 1907.

Seit 1908 studierte sie in Heidelberg, Marburg und Berlin evangelische Theologie, Geschichte und Philosophie. Seit 1922 lebte sie in Baierbrunn bei München. Stark von der katholischen Kirche angezogen, suchte sie in ihren religionsphilosophischen Studien Klärung ihrer konfessionellen Zugehörigkeit, veröffentlichte den Gedichtzyklus Hymnen an die Kirche (1924) und konvertierte 1926 in Rom zur katholischen Kirche. Sie wird als deutsche Vertreterin des Renouveau catholique gesehen.

Gertrud von le Fort entwickelte sich zu einer der bedeutendsten katholischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, die unter anderem mit Paul Claudel, Hermann Hesse, Reinhold Schneider, Friedrich Gogarten und Carl Zuckmayer in Verbindung stand. Im Zentrum ihrer Romane, Novellen, Erzählungen und Lyrik stehen religiöse Fragen in meist historischen Stoffen; die römisch-katholische Kirche erscheint als Mittlerin und als sittliche Ordnungsmacht. In ihren Romanen und anderen Werken geht es ihr um die Glaubensentscheidung, um religiöse Sinngebung von Leid und Opfer, um die Auseinandersetzung der Kirche mit dem Geist des Unglaubens und menschlicher Schwäche sowie um psychologische Darstellungen seelischer Entwicklungen und Konflikte.

Von Baierbrunn aus unternahm Gertrud von le Fort zahlreiche Reisen nach Italien, hielt seit 1933 Vortragsabende in der Schweiz und in Deutschland. Ihre Vorstellungen von einem „christlichen Heiligen Deutschen Reich“ und dem Katholizismus standen in krassem Gegensatz zu den Lehren des Nationalsozialismus. Trotzdem konnte sie 1938 ihren Roman „Die Magdeburgische Hochzeit“ im Insel Verlag publizieren. Im Jahr 1939 übersiedelte Gertrud von le Fort nach Oberstdorf/Allgäu, wo sie bis zu ihrem Lebensende lebte. Sie starb am 1.11.1971. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof an der Trettachstraße in Oberstdorf.

Werke u.a.:

Lyrik

1893:  Der alte Eichbaum
1983:  Meereswogen
1893:  Kehre wieder
1895:  Die ewige Lampe
1895:  Zwei alte Häuser
1900:  Gedichte
1903:  Die Königskinder
1905:  Christuslied,
1905:  Die Emigranten,
1906:  Die Schwermutblume
1906:  Die Herbstfrau
1906:  Vogel Traum
1907:  Es war ein Markgraf über dem Rhein
1912:  Lieder und Legenden
1914:  Sternenlied
1914:  Lied eines schlesischen Geschlechts
1914:  Wiegenlieder der Emigranten
1914:  Die Emigranten
1914:  Die Kathedrale nach der Schlacht
1915:  Lied einer gallizischen Nonne
1915:  Allerseelen
1920:  Die Sibylle
1923:  Deutsches Leid
1924:  Hymnen an die Kirche
1932:  Hymnen an Deutschland
1949:  Gedichte
1962:  Aphorismen
1966:  Die Mauer