Erich Mühsam

Mühsam

Erich Kurt Mühsam wurde am 6. 4. 1878 in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren und wuchs in Lübeck auf. Seine schriftstellerische Neigung zeigte sich schon früh, als er mit elf Jahren begann, Tierfabeln zu verfassen. Ebenso sein rebellischer Geist: 1896 wurde er wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ der Schule verwiesen. 1901 zog Mühsam nach Berlin, wo er zunächst in seinem erlernten Beruf als Apotheker arbeitete. 1904 bis 1908 folgten Wanderjahre mit Aufenthalten in Zürich, Ascona, Norditalien, München, Wien und Paris, zusammen mit Johannes Nohl. Seit 1909 lebte er in München-Schwabing. Hier gründete er die dem Sozialistischen Bund angehörenden Gruppen „Tat“ und „Anarchist“ zwecks Agitation des „Subproletariats“ für den Anarchismus. Als Zentralfigur der Schwabinger Bohème war er befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger, Fanny zu Reventlow und vielen anderen. Mühsam war Mitarbeiter des Münchner Kabaretts und verschiedener satirischer Zeitschriften wie des Simplicissimus und der Jugend. Von 1911 bis 1919 gab er in München die Zeitschrift „Kain Zeitschrift für Menschlichkeit“ heraus.

1918 wurde Mühsam wegen Verstoßes gegen das politische Betätigungsverbot und der Weigerung, am „Vaterländischen Hilfsdienst“ teilzunehmen, verhaftet und zu sechs Monaten Festungshaft in Traunstein verurteilt. Im Zuge der Novemberrevolution wurde er Ende 1918 in München Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats. Nachdem die Räterepublik am 2. Mai 1919 durch Reichswehr und Freikorpsverbände niedergeschlagen worden war, verurteilte man Mühsam als „treibendes Element“ zu 15 Jahren Festungshaft, von denen er fünf Jahre absaß. 1924 wurde er amnestiert. Nach seiner Entlassung zog er nach Berlin und gab die anarchistische Zeitschrift „Fanal“ heraus. Zusammenarbeit mit dem jungen Herbert Wehner. Auch zu Silvio Gesell, dem Begründer der Freiwirtschaftslehre, bestand enger Kontakt. 1925 bis 1929 engagierte er sich in der Gefangenenhilfsorganisation Rote Hilfe Deutschlands. Als Sonderheft seiner Zeitschrift „Fanal“ erschien 1932 kurz vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten seine programmatische Schrift „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat“, mit dem Untertitel „Was ist kommunistischer Anarchismus? “

In der Nacht des Reichstagsbrandes von der SA verhaftet war Erich Mühsam einer der ersten Insassen des im März eröffneten KZs Oranienburg, wo er 1934 nach 16-monatiger „Schutzhaft“ von SS-Männern erschlagen wurde. Die internationale Presse berichtete über seinen Tod wahrheitsgemäß als Mord des Naziregimes. Der Schriftsteller Ernst Jünger notierte in seinem 1949 erschienenen Pariser Tagebuch „Strahlungen“ unter dem 10. September 1943 unter Bezugnahme auf eine im Frühjahr 1933 erfolgte Hausdurchsuchung: „Ich glaube man suchte Briefe des alten Anarchisten Mühsam bei mir, der eine kindliche Neigung zu mir gefasst hatte und den man dann auf so schauerliche Weise ermordete. Er war einer der besten und gutmütigsten Menschen, denen ich begegnet bin.“ Erich Mühsam starb am 10.7.1934.

Werke u.a.:

1903: Die Eigenen. Ein Tendenzroman für freie Geister. Von Emil F. Ruedebusch
1903: Die Homosexualität. Ein Beitrag zur Sittengeschichte unserer Zeit.
1904: Die Wüste. Gedichte 1898–1903
1904: Billys Erdengang. Eine Elephantengeschichte für artige Kinder.
1905: Ascona. Eine Broschüre
1905:Lebt die Liebe! Aphorismen von Emil F. Ruedebusch und Helmar Lerski
1905: Die Psychologie der Erbtante. Eine Tanthologie aus 25 Einzeldarstellungen zur Lösung der Unsterblichkeits-Frage
1906: Die Hochstapler. Lustspiel in vier Aufzügen
1908: Die Jagd auf Harden
1909: Der Krater. Morgen, Berlin.
1912: Kain-Kalender für das Jahr 1912
1913: Kain-Kalender für das Jahr 1913
1914: Im Nachthemd durchs Leben. Ein süddeutsches Weihebühnen-Festspiel
1914: Wüste – Krater – Wolken. Die Gedichte
1914: Die Freivermählten. Polemisches Schauspiel in drei Aufzügen.
1919: Dem Andenken Gustav Landauers.
1920: Brennende Erde. Verse eines Kämpfers.
1921: Judas. Arbeiter-Drama in fünf Akten.
1923: Das Standrecht in Bayern. V.I.V., Berlin.
1925: Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder. Der Freie Arbeiter, Berlin
1925: Alarm. Manifeste aus 20 Jahren. Der Syndikalist, Berlin.
1926: Gerechtigkeit für Max Hoelz! Rote Hilfe Deutschlands
1929: Staatsräson. Ein Denkmal für Sacco und Vanzetti. Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, Berlin; 1929: Von Eisner bis Leviné. Die Entstehung der Bayerischen Räterepublik. Persönlicher Rechenschaftsbericht über die Revolutionsereignisse in München vom 7. Nov. 1918 bis zum 13. April 1919
1933: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus?