Der Petrefaktensammler

Eduard Mörike

Aufnahme 2016

An Lotte und Clärchen.

Einmal noch an Eurer Seite,
Meinen Hammer im Geleite,
Jene Frickenhauser Pfade,
Links und rechts und krumm und grade
An dem Bächlein hin zu scherzen,

Dieß verlangte mich von Herzen.
Aber dann mit tausend Freuden
Gleich den Hügel auf zu weiden,
Drin die goldnen Ammoniten,
Lias-Terebratuliten,

Pentakrinen auch, die zarten,
Alle sich zusammenschaarten, –
Den uns gar nicht ungelegen
Just ein warmer Sommerregen
Ausgefurcht und abgewaschen,

Denn so füllt man sich die Taschen.
Auf dem Boden Hand und Knie,
Kriecht man fort, o süße Müh'!
Und dazwischen mit Entzücken
Nach der Alb hinauf zu blicken,

Deren burggekrönte Wände
Unser sonnig Thalgelände,
Rebengrün und Wald und Wiesen
Streng mit dunkeln Schatten schließen!
Welche liebliche Magie

Uns im Rücken übten sie!
Eben noch in Sonne glimmend
Und in leichtem Dufte schwimmend,
Sieht man schwarz empor sie steigen,
Wie die blaue Nacht am Tag!

Blau, wie nur ein Traum es zeigen,
Doch kein Maler tuschen mag.
Ja, sie scheinen nah zu rücken,
Immer näher, immer dichter,
Und die gelben Regenlichter

All' in unser Thal zu drücken!
Wahrlich, Schön'res sah ich nie.

Wenn man nur an solcher Stätte
Zeit genug zum Schauen hätte!
– Wißt Ihr was? Genießt Ihr Beiden

Gründlich diese Herrlichkeiten,
Auch für mich genießet sie!
Denn mich ärgert's allerdinge,
Wenn das rein verloren ginge.
Doch, den Zweck nicht zu verlieren,

Will ich jetzt auf allen Vieren
Nach besagten Terebrateln
Noch ein Stückchen weiter kratteln;
Das ist auch wohl Poesie.