Lied
Gertrud Kolmar
Aufnahme 2019
Es zog ein Klagen durch die Nacht,
Drin heiße Muttertränen rannen,
Es blies ein Horn von Wehr und Wacht
Und jauchzte mit dem Sturm von dannen.
Mir träumte von zerriss'ner Glut,
Von ehrner Schwerter scharfem Schein –
Da weckte klingend mich mein Blut
Und sang: »Ich bin nicht mehr allein.«
»Laß gehn, laß wehn das Wort im Wind
Von Schlacht und Macht und Heldentum;
In deinem Arm liegt's wie ein Kind
Und schläft: Das ist der Erde Ruhm.
Und leise schmiegt sich, während weit
Ein dunkelblauer Himmel fällt,
Dein Atem in den Hauch der Zeit
Und deine Brust ans Herz der Welt.«